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Krankenhausneubau im Lübbecker Land

01. December 2022 - Umwelt, Politik

Die Diskussion über den Neubau zweier Krankenhäuser im Kreis Minden-Lübbecke kam für viele Bürgerinnen und Bürger als eine Überraschung. Waren bis dato doch bereits ausgiebige Sanierungsarbeiten in den Krankenhäusern Lübbecke und Rahden vorgenommen worden. Aus heiterem Himmel kam sie aber trotzdem nicht, denn mit dem Krankenhausplan des Landes NRW wurden große Veränderungen in der Krankenhauslandschaft und der Versorgungsstruktur beschlossen. Für einen Fortbestand der medizinischen Versorgung im Mühlenkreis müssen die Strukturen der Mühlenkreiskliniken diese Veränderungen reflektieren.

Der Krankenhausplan NRW

Am 27. April 2022 wurde der Krankenhausplan NRW 2022 veröffentlicht. Um eine qualitative Behandlung sicherzustellen, sollen künftig Gelder nicht mehr nach Betten, sondern nach Leistungsgruppen verteilt werden. Die Bündelung von Leistungen in bestimmten Krankenhäusern erfolgt bereits. Im Bereich der Herzchirurgie zum Beispiel werden 97,5 Prozent aller Fälle von 16 Prozent der Krankenhäuser abgedeckt, die Herzchirurgie als Leistung anbieten. Im Bereich der Hüftoperationen sind diese Zahlen weniger dramatisch, aber auch hier werden 89 Prozent der Leistungen von 67 Prozent der Krankenhäuser erbracht. Zudem sieht der Krankenhausplan vor, dass für 90 Prozent der Bevölkerung ein Krankenhaus mit internistischer und chirurgischer Versorgung innerhalb von 20 Autominuten erreichbar sein soll. Seit dem 17. November 2022 verhandeln die Mühlenkreiskliniken, wie alle Krankenhäuser des Landes, mit den Krankenkassen zur Verteilung der Leistungsgruppen. Zu beachten ist, dass Leistungsgruppen in regelmäßigen Abständen neu verhandelt werden. Um auch in der Zukunft die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger des Kreises Minden-Lübbecke sicherzustellen, wurde die Firma Lohfert & Lohfert damit beauftragt, drei Szenarien auf ihre Zukunftsfähigkeit zu prüfen.

Die Umsetzung des Krankenhausplans im Mühlenkreis

Die Lohfert & Lohfert AG wurde damit beauftragt, zukunftsfähige Szenarien für die Mühlenkreiskliniken zu untersuchen. Es wurden drei mögliche Szenarien ausgearbeitet. Basierend darauf wurde die Empfehlung gegeben, die Krankenhäuser Lübbecke und Rahden zu schließen und ein neues Krankenhaus im Lübbecker Land zu bauen. Die Viktoria Klinik in Bad Oeynhausen und das Klinikum Bad Oeynhausen sollen zusammengelegt und am Standort Bad Oeynhausen neu gebaut werden. Untersucht wurden folgende Kriterien: Personal, Erreichbarkeit, Kooperation, Versorgungsqualität, Wirtschaftlichkeit.

Den Link zum Gutachten und der Präsentation finden Sie unten. Im Folgenden sollen die wichtigsten Punkte für das Lübbecker Land zusammengefasst werden.

Personal

Der Fachkräftemangel macht auch vor Krankenhäusern keinen Halt. Die Standorte Rahden und Lübbecke haben schon heute große Probleme Fachpersonal anzuziehen. Mit einem Neubau können strukturelle Defizite des Krankenhaus-Gebäudes umgangen werden, die heute schon und auch im Fall einer Sanierung Probleme bei der Einführung von zukunfts-orientierten Behandlungsmöglichkeiten, wie der Roboter-Assistierten Chirurgie, machen und damit den Erwerb von qualifiziertem Personal erschweren. Es muss auch davon ausgegangen werden, dass eine Dauerbaustelle von über 10 Jahren im Fall einer Sanierung die Fachkräftegewinnung und -haltung erschweren wird.

Erreichbarkeit

Der Standort Rahden wird sich aufgrund von Personalmangel und Wirtschaftlichkeit nicht halten können. Mit dem Wegfall des Standortes verschlechtert sich die Erreichbarkeit für den nördlichen Teil des Kreises. Mit einer nördlichen Verlagerung des Standortes würden die Mühlenkreiskliniken das Kriterium der Erreichbarkeit aus dem Krankenhausplan erfüllen. Am 31. Oktober 2022 hat der Kreistag mit dem Standort „Gabelhorst“ für eine Verlagerung in den Norden abgestimmt.

Versorgungsqualität

Die Krankenhäuser Lübbecke und Rahden haben vergleichsweise viele kleine Fachabteilungen, die im Falle von Rahden nur mit erheblichen Schwierigkeiten mit Personal besetzt werden können. Der erfolgreiche Erwerb von Leistungsgruppen und damit Gelder der Krankenkassen für beide Standorte muss daher kritisch gesehen werden.

Kooperation

Der Standort Lübbecker Land soll mit den Fachbereichen „Innere Medizin“, „Allgemeine Chirurgie“ und „Orthopäde, Unfallchirurgie“ weiterhin die Grund- und Regelversorgengen im Lübbecker Land gewährleisten. Zusätzlich sollen die Leistungsbereiche „Geriatrie“, „Gynäkologie und Geburtshilfe“, „Urologie“ und „psychiatrische/psychosomatische Versorgung“ ausgebaut werden. Mit diesem Portfolio sollen Schnittstellen zu den anderen Klinken des Mühlenkreises ausgebaut und eine spezialisierte Versorgung über den Kreis Minden-Lübbecke verteilt aufgebaut werden.

Wirtschaftlichkeit

Auch Krankenhäuser müssen wirtschaftlich sein und das Jahr mit einem positiven Ergebnis abschließen. In der Vergangenheit konnten die Mühlenkreiskliniken als Verband ein kleines positives Jahresergebnis erzielen. Aufgeschlüsselt nach Klinken lässt sich allerdings erkennen, dass das Johannes-Wesling-Klinikum dieses Ergebnis trägt. Rahden erwirtschaftete im Jahr 2019 ein Minus, das fast so hoch war wie das Plus des Johannes-Wesling-Klinikums. Können nicht ausreichend Leistungsgruppen aufgrund mangelnder struktureller Veränderungen erworben werden, steigt das Risiko, als Mühlenkreiskliniken zukünftig ein negatives Jahresergebnis zu erwirtschaften.

Zusammengefasst

Würde der Status Quo fortgesetzt werden, könnten der Krankenhausplan, die Strukturvoraussetzung und Mindestvorgaben dazu führen, dass Leistungen nicht mehr erbracht und abgerechnet werden können. Dadurch gehen Leistungen verloren und Personal sowie Infrastruktur können nicht mehr optimal genutzt werden, was einen negativen wirtschaftlichen Effekt erzielt. Die Folgen wären ein reaktives Verhalten der Mühlenkreiskliniken, das Innovation unterdrücken, zu Unwirtschaftlichkeit führen und die kommunale Trägerschaft gefährden könnte. Unter Betrachtung dieser Punkte kommt das Lohfert & Lohfert Gutachten zu dem Schluss, dass ein Neubau ein zukunftsfähiges Konzept für die Mühlenkreiskliniken und den Kreis Minden-Lübbecke bedeutet.

Das MAGS-NRW (Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales) beginnt die Vorstellung des Krankenhausplans mit diesem Satz: „Die Strukturen müssen für die Menschen da sein, nicht die Menschen für die Strukturen“. In der Kreistagssitzung vom 23. Juni 2022 hat der Kreistag beschlossen, dass dies durch einen Krankenhausneubau gewährleistet werden kann. Offen bleiben weiterhin die Fragen zur Finanzierung, der Umgang mit Umweltfolgen und die Weiternutzung der alten Gebäude. Auch steht die Leitungsebene der Mühlenkreiskliniken in der Verantwortung, einen Zukunftsplan zu entwickeln, der nicht alle 30 Jahre einen Krankenhausneubau vorsieht.

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Link zu Lohfert & Lohfert Gutachten und Vortrag